Eine interreligiöse Feier zum Eidgenössischen Dank-, Buss- und Bettag 2019

Sonntag, 15. September 2019, 17.15 Uhr, Albanische «Moschee des Lichtes» in Frauenfeld

 

Hoffnung und Verantwortung
Texte

 

Junge Menschen sind in letzter Zeit auf die Strasse gegangen. Ihre Botschaft war eindeutig: Es kann nicht einfach so weitergehen. Wenn wir so weitermachen, zerstören wir unsere eigenen Lebensgrundlagen. Man hat in den sozialen Medien viel Kritik an den Jugendlichen vernehmen können. Da wurde etwa gefragt, ob sie denn bereit seien, aufs Autofahren zu verzichten oder für die nächsten Ferien nicht mehr das Flugzeug zu benutzen. Es wurde ganz laut die Frage gestellt, ob die Jugendlichen denn bereit seien, für ihre Forderungen auch selbst Verantwortung zu übernehmen. Das darf uns nicht wundern. Wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen, denken die meisten zuerst an die anderen. Wir wissen meist sehr gut, was die andern tun sollten, damit es mit unserer Welt und mit dem Klima besser wird.

Wir haben im Vorbereitungsteam beschlossen, an der heutigen interreligiösen Bettagsfeier diesen wichtigen Aspekt in der aktuellen Klima- und Umweltdebatte ins Zentrum zu rücken: die Verantwortung, unsere Verantwortung.

Es gibt zwei unübersehbare Gemeinsamkeiten aller Religionen, wenn es um die Verantwortung geht. Auf diese möchte ich hier am Anfang unserer Feier hinweisen, um damit unsere Ohren zu schärfen für das Hören auf die Texte aus den verschiedenen religiösen Traditionen.

Die erste Gemeinsamkeit ist folgende: Wenn in den Religionen der Mensch auf sein verantwortliches Handeln angesprochen wird, dann ist er immer unbedingt selbst gemeint. Er kann der Verantwortung nicht ausweichen, sie nicht auf einen anderen abschieben. «Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders und erkennst nicht den Balken in deinem eigenen Auge?», fragt Jesus von Nazareth seine Mitmenschen. Das ist tief in allen Religionen verwurzelt: Wenn es um Verantwortung geht, geht es um mich – und um niemand anderen.

Die zweite Gemeinsamkeit in allen Religionen haben wir schon im Titel zu unserer heutigen Feier zum Ausdruck gebracht. In keiner Religion werden wir mit unserer Verantwortung allein gelassen. Daran würden wir zerbrechen. Wir werden in unserem je eigenen Glauben gestärkt durch eine Hoffnung, die über unser eigenes Tun hinausweist. Nicht durch eine billige Hoffnung, die es uns gestatten würde, die Hände in den Schoss zu legen, sondern durch eine Hoffnung, die darauf gründet, dass wir Menschen zu etwas Grösserem gehören.

 

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